Facebook

Der Verein ist sehr glücklich, dieses Jahr den ersten horntragenden Nachwuchs in der kleinen eigenen Shorthorn-Herde begrüßen zu dürfen.

8 Monate ist Darcie im „Mutterschutz“ und wird von ihrem Kalb nicht getrennt. Nach dieser Zeit werden die Kälber bei uns behutsam abgesetzt, da sie zum Grasfressen übergegangen sind.

Das Deutsche Shorthorn ist weltweit eine der ältesten Rinderrassen. Ursprünglich stammt es aus Nordengland, wo die Brüder Colling es Anfang der 1820er Jahre züchteten. Es wurde in Schleswig-Holstein um 1840 zu einer deutschen Linie weitergezüchtet. Aktuell gibt es nur noch ca. 200 Deutsche Shorthorns. Davon ist die Mehrzahl der Tiere genetisch hornlos, das bedeutet, dass sie ohne Hörner geboren werden. Damit geht ein namensgebendes Merkmal verloren.

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) stuft sie in ihrer Roten Liste in die Kategorie II (stark gefährdet) ein. Das gilt insbesondere für die horntragenden Tiere. Auch in ihrem Ursprungsland Großbritannien gehen die Bestände stark zurück, sodass die Rasse vom "Rare Breed Survival Trust" betreut wird. Insbesondere das Milch-Shorthorn gilt als akut bedroht. Das Ziel unseres Vereins ist der Aufbau einer stabilen Population mit Hörnern. Dadurch erhalten wir sowohl die genetischen Ressourcen dieser wertvollen Nutztierrasse als auch die Vielfalt innerhalb der Landwirtschaft. Anders als die ebenfalls vom Verein Naturschutz Berlin Malchow gehaltenen Schottischen Hochlandrinder werden sie in diesem Zusammenhang auf absehbare Zeit hin auch nicht für die Fleischgewinnung genutzt werden.

Seit November 2017 hat der Verein Naturschutz Berlin-Malchow Shorthorn-Rinder mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Naturschutz Berlin angeschafft, die als Landschaftspfleger ganzjährig im Freiland der Naturschutzgebiete Nordberlins weiden. Die Tiere haben ein freundliches Wesen und verstehen das Versteckspiel in der weiten Landschaft gut, sodass der Beobachter sie mitunter erst mit einiger Geduld z.B. hinter einer Baumgruppe entdeckt.

Der Landwirt und die Biotoppfleger kümmern sich täglich um die Herde und kontrollieren beispielsweise, ob das Kalb wohlauf ist und die Zäune in Ordnung sind. Bei der Arbeit mit den Tieren wird die Low Stress Stockmanship Methode angewandt, was ein stressarmes Führen der Herde bzw. einzelner Tiere ermöglicht.

Am Ende dieses Jahrs wird voraussichtlich der neue Zuchtbulle Kenny zu den Kühen gelassen. Wir hoffen, so auch 2021 auf weiteren Nachwuchs.

 

Warum eigentlich ausgerechnet Shorthorns?

Die Rinder dieser Rasse sind genügsam, robust und eignen sich ideal für die ganzjährige Beweidung auf Magerrasen und Naturschutzflächen ohne eine Zugabe von Kraft- oder Silofutter. Als vierbeinige Landschaftspfleger leisten sie einen essentiellen Beitrag zur Biodiversität und zum Klimaschutz. Sie fördern durch Ihr mosaikartiges Grasen einerseits die Ausbildung verschiedener Vegetationsstrukturen und damit einen Lebensraum für viele Arten. Andererseits fördert das Grasen ein dichteres und enormes Wurzelwachstum innerhalb der Grasgesellschaft, mit der Folge einer vermehrten Humusbildung und sehr hoher Kohlenstoffbindung im Boden (CO2-Senke), ähnlich wie es bei Wäldern der Fall ist.

Mit Shorthorns werden also genau die entgegengesetzten Effekte von dem erzielt, was industrielle Tierhaltung verursacht: Umwelt und Klima werden hier nicht zerstört, sondern geschützt.

Literaturtipp: Artikel „Die Grasfresser wieder zu Landschafts-Gärtnern machen“ von Anita Idel: http://www.naturschutzstation-malchow.de/attachments/article/210/GraslandWeidetiere.pdf

Beate Kitzmann

Geschäftsführerin

Tel. (030) 92 79 98 30